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Autonome Antifa (Kassel) – das war einmal

Auflösungserklärung der Autonome Antifa (Kassel) / April 2004

Auszug:
„Es waren nicht Rückzüge, Umzüge und gerichtliche Verfahren oder die geringe personelle und finanzielle Ausstattung, die uns letztlich das zum Aufhören bewegten. Es war auch nicht staatliche Repression oder Aktionen der Nazis. Beide haben uns nie auch nur im Entferntesten in unseren Aktionen beeinträchtigt. Ja, beide scheinen nicht einmal Näheres über unsere Organisation, über unsere Strukturen oder unsere individuellen Existenzen gewusst zu haben.

Auch sehen wir unsere Politik keineswegs als gescheitert an. All unsere Aktionen, Störversuche, Aufrufe, Stellungnahmen und Forderungen, sowie organisatorische Vorgehensweisen halten wir nach wie vor für richtig. Es ist der aktuelle Abgang der radikalen Linken im Allgemeinen und die Verhältnisse in Kassel im Besonderen, die uns zum Aufgeben veranlassen.“

Dennoch halten wir es auf die bundesweiten und lokalen Gründe einzugehen.

Von Wissen und Ahnungslosen
Im Winter 2002 (November/Dezember) organisierten wir eine Reihe meist sehr gut besuchte Veranstaltungen unter dem Motto: „Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte – We resist the increasing move to the right“. Bei der vorletzten Veranstaltung stellten wir den Referenten. Dieser zeigte an Hand einer historischen Herleitung den Stand und die Probleme des deutschen Nationalismus auf und wollte anschließend Wege des Widerstandes gegen deutsche Neonazis – auch speziell in Kassel – diskutieren. Der kleine Saal war mit über 30 Leuten gut gefüllt. Unter ihnen auch fünf Menschen, die der „Bazille-Gruppe“ zuzurechnen sind. Hier kam es auch zum Eklat. Schon während des Vortrages versuchten diese Leute den Referenten zu stören. Kurz vor dem Ende begann das Schauspiel. Einer der Gruppe versuchte dem Referenten das Wort abzuschneiden. Der Saal protestierte. Der Referent setzte seinen Vortrag fort und erhielt Applaus.

In der anschließenden Diskussion sollte es eigentlich um antifaschistische Strategien gegen den lokalen, organisierten Neofaschismus gehen. Die AAK ging sogar so weit ihren polemisierenden Kritikern die Hand zur Zusammenarbeit zu reichen, um eine breitere und wirkungsvollere Politik auf lokaler Ebene erreichen zu können. Denn der AAK ging es immer nur um den politischen Kampf, die Sache, die Politik. Doch darum, und die anschließende Auseinandersetzung zeigt dies, ging es den anwesenden Leuten der „Bazille-Gruppe“ eben nicht. Sie versuchten mit Pöbeleien, Provokationen und wilden Vorwürfen die Sitzung zu sprengen. Dies gelang ihnen zu ihrer Enttäuschung leider nicht. Denn stets war die Redeleitung um eine sachliche und vor allem der „Sache“, dem antifaschistischem Kampf dienenden Diskurs bemüht. So endete die Veranstaltung mit einem gut inszenierten Wutausbruch des Hauptpöblers: „Für euren scheiß Marx interessiere ich mich nicht. Ihr seid doch alles Stalinisten.“ Auch diese Beleidigung verhallte im Raum – unkommentiert.

Von Bazillen und anderem Ungeziefer
Was war der Hintergrund für diese inszenierte Attacke? Wir hatten doch keinem von ihnen etwas getan, oder? Das „autonome Zentrum Bazille“ genoss Mitte der 90er einen guten Ruf in Kassel und darüber hinaus. Nur im Zuge des allgemeinen Niedergangs der Linken und dem Durchsetzen bestimmender WGs im besonderen zogen sich viele kluge Köpfe zurück ins Private. Eine WG blieb und finanzierte das gesäuberte Zentrum mit Daueraufträgen von ihren kleinbürgerlichen Jobs weiter. Nur Politik betrieben sie keine. Eine Veranstaltungsreihe 1999/2000, an der sie mitarbeiteten, war ihre letzte Aktion. Seit dem herrscht dort bis auf sektiererische Kleinkonzerte und Voküs Stille. Politisch kam aus der Sickingstraße nichts mehr. So waren es die stets sich steigernde Aktivität der AAK, welche die „Bazille-Gruppe“ stets an ihre eigene Inaktivität und inhaltliche Leere erinnerte. So versuchte ein Teil dieser Gruppe der AAK auf die Nerven zu gehen. Bezeichnend für die „Bazille-Gruppe“ war die Tatsache, dass nur dann von ihnen Aktivitäten zu verzeichnen waren, wenn es galt unsere Aktionen zu zerreden oder zu sabotieren. Nach dem Eklat bei unserer Veranstaltung zogen wir aus der „Bazille“ aus. Seit dem herrscht dort Totenstille. Ganz nach dem Axiom: Aus der Bazille nichts neues.

Dennoch war die Veranstaltungsreihe ein großer Erfolg. Uns gelang es in Schulen Fuß zu fassen und endgültig eine Infrastruktur aufzubauen. So war die Reihe der Beweis, dass wir in der Lage waren öffentlich Dinge professionell und verbindlich zu organisieren. So waren wir nun nicht nur inhaltlich mit anderen politischen Organisationen in Kassel, sondern auch organisatorisch auf einer Augenhöhe.

Bis hier

Von Kriegstreibern zu Friedensbewegten (Exkurs)
Nach der Veranstaltungsreihe beteiligten wir uns mit einem eigenständigen Block an einer Anti-Kriegs Demo am 26. Oktober 2002. Der Irakkrieg lag in der Luft. Der miefige Geruch der Friedensbewegung auch. So versuchten wir radikale Inhalte in den öffentlichen Diskurs zu bringen, doch dominierte der „Bundesausschuss Friedensratschlag“, Äquivalent zum „Kasseler Friedensforum“, Äquivalent zur „Arbeitsgruppe Friedensforschung an der Universität Kassel“ mit ihrem großen allwissenden Sprecher, Äquivalent Vorsitzendem, Äquivalent geistigem Führer, Äquivalent Ähhh, die Diskussion. Kein Tag verstrich ohne, dass die Friedensfighter einen Appell „an unseren Bundeskanzler“ richtete keine deutschen Soldaten für fremde Interessen zu opfern. Vielmehr sollten Konflikte friedlich und auf zivilgesellschaftlichem Wege gelöst werden. Beim regelmäßigem Lesen solcher Pamphlete bildete sich über die Zeit ein Würgereflex heraus – ganz automatisch.
Wo im Geist des allwissenden Vorsitzenden die letzten 150 Jahre (industrie-) kapitalistischer Geschichte ihren Platz haben kann nicht gesagt werden. Wie es allerdings möglich ist mit der Naivität eines wenige Jahre alten Kleinkindes die tagespolitische Situation und herrschenden Mechanismen so miss zudeuten und daran zu glauben, dass durch Petitionen an den Bundeskanzler eine menschlichere Politik, zumal von amerikanischer Seite, gemacht werden würde, entzieht sich jeder Rationalität. Das Verhalten der Bundesregierung im und nach dem Wahlkampf war scheinheilig genug, aber das „Schröder, Schröder-“ Gebrüll der Friedensbewegung erweckte einen widerlichen Ekel. Anstatt die Scheinheiligkeit und ekelerregende Heuchelei der herrschenden Politik aufzuzeigen, folgten die Führer der Friedensbewegung – 4 Jahre nach dem Kosovokrieg, dem ersten deutschen Angriffskrieg nach 1945, den Kurs ihres, nun so vernünftigen Kanzlers, gefolgt von den Millionen nichtsahnender Bürger. Mit den ersten Bomben auf Bagdad und dem Abebben der Proteste hörte auch der schale Geschmack bei der Betrachtung des Friedensratschlages auf. Man war den Amies für ihren schnellen Sieg ja fast dankbar. Denn endlich erhielten die Friedensfighter mit ihrer Volksverdummungskampagne in den Medien keine Sendezeit mehr. Der Mohr hatte seine integrative Arbeit geleistet und konnte nun wieder gehen.

Das schlimme dabei war, dass sich die selbsternannten Köpfe der Friedensbewegung sich nicht zu schade waren (und sind) ein lächerliches Dasein in geistiger Naivität zu fristen und dann alle 10 Jahre wenn eine Bundesregierung sie zum inszenierten Protest ruft, angeschlichen zu kommen und heuchlerische Friedensreden zu halten. Man fragt sich wie sie an die Vernunft von Präsidenten und Kanzlern appellieren können, wenn ihre eigene sie vor Jahrzehnten schon verlassen hat.

Von Bambule und anderen Krawallen
Nach der erfolgreichen Veranstaltungsreihe widmeten wir mit der Institutionalisierung der Jugendantifa der Nachwuchsarbeit einige Zeit. Daneben nahmen wir zu den viel versprechenden Entwicklungen um den Bauwagenplatz „Bambule“ in Hamburg Stellung und mobilisierten gleich bei der ersten Demo dorthin. Auch setzten wir lokal und regional für die Unterstützung des Protestes ein. Doch nachdem die Hamburger mehrfach gezeigt hatten, dass sie nicht in der Lage waren den Protest entweder in einen wenig radikalen, bürgerlichen Massenprotest oder in eine dauernde militante Auseinadersetzung zu führen – sie versuchten beides gleichzeitig – ebbte dieses letzte Aufbegehren autonomer Mobilisierungsfähigkeit ab. Des weitern versuchten wir mit Dokumentationen über die Beschlagnahmung der „Phase 2“ und dem Mord in Erfurt bundesweite Themen Kassel näher zu bringen.

Von Attentaten und anderen Attacken
Im Februar 2003 kam es zu einer Tat bis dahin unvorstellbaren Ausmaßes. Faschisten hatten in Morgengrauen des 20.2.03 auf einen sich gegen Rechts engagierenden Lehrer ein Attentat verübt. Nur um Millimeter verfehlte die Kugel den Kopf des Mannes.

Die tat schockierte uns. Sie zeigte die neue Dimension und das qualitativ gesteigerte Potential der Nazi-Zelle um den Terroristen Bernd Tötder auf. Doch zu unserem Entsetzen war nicht ein antifaschistischer Aufschrei der Linken oder Bürger die Folge, sondern die Verharmlosung des mörderischen Anschlags. Solange die Polizei nicht Nazis als Täter gefasst hatte dürften Antifaschisten nicht von Nazis als Tätern ausgehen. Ja es wurde ernsthaft davon gesprochen dass einem vorbeispazierendem Jäger die Flinte losgegangen sein könnte. Manche gingen so weit Nachbarn oder den Lehrer selber als Attentäter zu verdächtigen. Eine nach den Erfahrungen des wi(e)dervereinigeten Deutschlands mit über 150 ermordeten Menschen durch Nazis und der Feigheit deutscher Normalos haarsträubende Argumentation. Sozialdemokraten und Grüne, ja selbst CDU-Mitglieder gingen mal mehr mal weniger hinter vorgehaltener Hand von „Rechtsradikalen“ als Täter aus. Leute, die sich selber als „links“ oder gar „linksradikal“ bezeichneten dagegen vehement nicht. Ganz im Gegenteil: Sie verharmlosten die Situation. Das bezeichnende dabei. In Kassel gab es seit längerem eine Nazi-Zelle um Bernd Tötder. Bei einer im Winter 2002 vorangegangenen Hausdurchsuchung wurde eine große Anzahl von Waffen gefunden. Auch sei an den verurteilten Rechtsterroristen Werner Kahl, Besitzer des Freizeitausstatters „US-Center“ erinnert. Doch kein noch so handfestes Argument konnte die Zweifler stoppen.

Die AAK fing sogleich mit bekannt werden der Tat an Vorbereitungen für eine breite Kampagne gegen den faschistischen Terror zu entfalten. Eine Demo am 7. März 2003, 14 Tage nach dem Attentat sollte ein beeindruckendes Zeichen gegen den Faschismus setzen. Unser Motto: „Talking is over – Action is on, Faschismus angreifen“.
Man beachte hier den verwendeten Konjunktiv. Denn es kam anders als gedacht.

Kritiker der „Bazille-Gruppe“ und „LinKa“ warfen uns vor wir würden mit unseren Aufklärungsaktionen und Mobilisierungsversuchen das Leben des Lehrers gefährden. Doch wir verwendeten in unseren Publikationen nur Informationen, die am 21. Februar (ff) in der HNA gestanden hatten. Erkenntnisse aus unserem Recherchearchiv blieben stets unter strengem Verschluss. Aber der Lehrer hingegen hatte der HNA kurz nach dem Attentat ein langes und breites Interview gegeben.

Es entwickelte sich eine ausgedehnte Kampagne – nicht gegen den faschistischen Terror, sondern gegen die politische Arbeit der AAK. Unsere Genossen wurden belästigt, Drohungen ausgesprochen. Es ging sogar so weit, dass Genossen mehrmals am Tag von verschiedenen Menschen auf offener Strasse angelabert wurden. Den Nazis hingegen passierte nichts. Nach der Drohung eine von uns organisierte Mobilisierungsveranstaltung am 5. März attackieren zu wollen, sagten wir diese ab. Wir drosselten unsere Bemühungen. Denn unser Ziel eine antifaschistische Einheit aller Linken zu Stande zu bringen war nicht mehr möglich. Auch eine breite öffentliche Diskussion um Neofaschismus im Allgemeinen und militärisch geschulten Nazi-Terroristen in Kassel im Besonderen konnte so nicht entstehen. Dabei wäre es hier möglich gewesen den Nazis – nach ihrer Schlappe im letzten Sommer – wirkungsvoll entgegenzutreten. Der Anschlag, das Schweigen der Lokalpolitik und Presse sowie das vertuschende Verhalten der Bullen bot ungeahnten lokalpolitischen Sprengstoff. So lagen unsere Forderungen nach Offenlegung der Ermittlungsergebnisse, die Offenlegung der Staatsschutzakten zum militanten und organisierten Neofaschismus in Kassel und Region, die Forderung nach einer Stellungnahme und Positionierung aller bürgerlichen, politischen Parteien in Kassel, einer Stellungnahme des Kasseler CDU- Politikers und Mattenberger Moscheebaugegners Christoph Rene Hollers und die Schließung der Neonazitreffpunkte US- Shop Outfit Freizeit am Stern und der Kneipe „Stadt Stockholm“ am Entenanger nahe. Leider machte das Kartell des Schweigens, von „Bündis gegen Recht“ bis Lokalmedien das Vertuschen und Verharmlosen der Tat möglich.

So stellte sich nach kurzer Zeit heraus, dass nur die AAK bereit war sich dem Thema zu stellen. Alle anderen – egal ob bürgerliche Parteien, Friedensforum, „Bazillen“, Sozialistische Alternative Voran (SAV), Asta der Uni Kassel, organisiert Unorganisierte oder des „Bündnisses gegen Rechts“, schwiegen oder verharmlosten das Attentat und die Situation in Kassel.

Besonders beschämend war das Verhalten des „Bündnisses gegen Rechts“. Obwohl auch hier hinter vorgehaltener Hand sogar Namen von potentiellen Attentätern die Runde machten, war hier keine Aktivität und Unterstützung zu holen. Nicht einmal zu einer Pressemitteilung konnten sich die beteiligten Gruppen, von DGB, SAV, Bazillen, Friedensforum, VVN-BdA etc. bewegen lassen.

Daher gingen wir wegen der mangelnden Unterstützung und des harschen Gegenwindes mit relativ geringen Erwartungen zu unserer Demonstration vom 7. März. Doch erlebten wir hier eine positive Überraschung. Rund 300 unorganisierte Schüler und Studenten, Antifas aus der Region und ältere Unterstützer erschienen und ließen die geschmähte Demonstration zu einem wahren Erfolg werden. Am Kasseler Stern kam es dann zu einer kurzen Auseinandersetzung mit der Polizei. Nachdem die Demoleitung deeskalierend eingriff (Die Bullen hatten Hunde aufgefahren) ging die Demo geordnet weiter. Nun schlossen sich auch Immigranten-Kids des nahe gelegenen Kiez an.
So bleib unseren Kritikern nichts anders übrig als mit tendenziösen Fotos unseren Erfolg klein zu reden. Unsere Fotos hingegen bewiesen ihr infames Lügenmärchen einer Demo „mit weniger als 100 Leuten“.

Von Bünden und Bindungen
Wie oben erwähnt machte das „Bündnis gegen Rechts“ eine mehr als zweifelhafte Figur bei dieser Affäre. Letztlich hat diese Vereinigung, der wir anschließend den Rücken kehrten, versagt. Wenn ein Bündnis bei einer solch eindeutigen Aktion, wie einem militärisch geplanten und ausgeführtem Attentat faschistischer Terroristen nicht sofortige Gegenmaßnahmen einleitet und versucht einen öffentlichen Diskurs aufzubauen und so wenigstens Druck auf Staat (hier Kommunalverwaltung) und Polizei auszuüben hat es jegliche Glaubwürdigkeit verspielt. Wie kann man nur in einer solchen Situation schweigen. Scheinbar war es den dortigen, ein gut gesättigtes, bürgerliches Leben führenden Individuen einfach zu gefährlich etwas zu unternehmen. Hier stellt sich die ungemeine Zivilfeigheit und Charakterlosigkeit des „Bündnisses Gegen Rechts“ dar. Dort wo es hätte einschreiten müssen, dort wo eine Bewährungsprobe auf es wartete. Dort ist es gescheitert und zu einem bloßen Witzverein verkommen.

Von reformerischen Sozialisten und sozialistischen Reformisten
An dieser Stelle ist auch die Sozialistische Alternative Voran (SAV) zu nennen, die durch ihren platten, theoretischen Reformismus (Bildung statt Bomben u.Ä.) und hohlen nicht durchdachten, aber stets streng legalen Aktionismus bekannt ist. Bekannt dürfte auch sein, dass Kassel auch zu den glücklichen Städten gehört in denen diese Gruppe agiert.
Da das Verhalten der SAV im Allgemeinen schon oben umschrieben ist soll hier nur auf ihr Verhalten bei der NPD-Kundgebung (August 2002) und ihr Nichtverhalten beim faschistischen Attentat (März 2003) im Einzelnen eingegangen werden.
Bei den antifaschistischen Bestrebungen im August 2002 überschlugen sich die klugen Köpfe der SAV damit eine ungeahnte Radikalität an den Tag zu legen. Allerdings nur bis zu dem Tag an dem die Nazis in der Stadt kamen. Trotz aller möglichen Zusagen Seitens der Führung dieser möchtegern trotzkistischen Gruppe unsere Aktionen auf der Demo und im Anschluss zu unterstützen, war in kritischen Momenten, so bei Durchbruchversuchen bei der Demo plötzlich von der revolutionären Vorhut SAV nichts mehr zu sehen.

Noch bezeichnender ist ihr rückradloses Verhalten im Februar/März 2003 gewesen. Hier zeigte sich eine Fähigkeit der sonst so geschwätzigen Reformisten, die bis dato noch nie kennzeichnend für sie gewesen war: eisernes Schweigen. So regierten nicht auf Anschreiben, An- oder Aufrufe. Auch war später keiner von ihnen – nicht mal eine Schülerabordnung – auf der Demo vom 7. März zu sehen. Sonst sonnen sie sich stets im revolutionärem und antistalinistischem Antifaschismus und verherrlichen den Kampf in Spanien. Wenn es allerdings darauf ankommt wirkungsvolle Politik zu entfalten. Widersprüche in der Gesellschaft außerhalb reformistischer, konformistischer Grenzen aufzudecken, geht die Sozialistische Alternative nicht Voran, sondern auf Tauchstation.
Neben ihrer theoretischen und organisatorischen Beschränktheit war es sicherlich auch die Angst vor dem Establishment, dem der „linken Szene“ und dem des Staates.

Von „linken“ Asten und anderem freiheitlich-demokratischem Übungsgelände
Da wir oben vom staatlichem Establishment sprachen, seien diese Zeilen dem bürgerlich-freiheitlich-demokratischem aber sonst streng „linken“ Elitennachwuchs gewidmet. Wir sprechen vom Allgemeinen Studierenden Ausschuss der Uni Kassel (ASTA Kassel). Die hier regierende Alternative Liste war (A.li) bei den Studierenden mit dem Versprechen angetreten „linke“ Politik, Gruppen und Infrastruktur mit ihren Geldern zu unterstützen. Nun begab es sich, dass wir zur schnellen Vorbereitung und Mobilisierung als Reaktion auf das faschistische Attentat vom Februar `03 zum Beispiel Kopiergeräte benötigten, welche der Asta generell allen linken Gruppen zur Verfügung stellt. Als sich unser unverschämter Versuch gegen faschistisch-terroristische Tendenzen Widerstand zu organisieren auch beim bekifften Hippy-Asta herumsprach kam es in den Räumen der Studentenvertreter fast zu Handgreiflichkeiten. Der Anlass: Mitglieder der Jugendantifa hatten den dortigen Kopierer zur Vervielfältigung von Flyern benutzt. Nachdem ein im Asta herumlungerndes Mitglied der „Linka-Gruppe“ dies bemerkte, rannte der anwesende Teil des Asta herbei, nahm die Flyer der völlig überrumpelten Kiddys in Augenschein und Verbot den jungen Antifaschisten weiteres Kopieren, „bis der Asta einen Beschluss gefasst hätte“. Nach einer heftigen Diskussion konnte nur noch der geordnete und geschlossene Rückzug aus dem Asta-Gebäude verhindern, dass der anwesende „LinKa-Asta“ Mob auf die Jugendantifa losging. Denn diese hatte argumentativ versucht die Anwesenden über die Notwendigkeit des geschlossenen antifaschistischen Widerstandes gegen die ungeheuere Tat zu überzeugen. Der „Asta-Linka-“ Mob aber, der wie sich rausstellte noch nicht einmal unsere Stellungnahme zum Attentat gelesen hatte, da dieser „ja viel zu lang ist“, antwortete mit wilden Vorwürfen, die wir schon die Tage zuvor um den Ohren gehauen bekommen hatten. Beim Asta nichts neues – sozusagen.
Letztlich beschloss der Asta der Autonomen Antifa Kassel (AAK) und ihren Unterorganisationen zu verbieten ihre Kopierer zu benutzten. Nicht generell, denn das würde ja gegen ihr pluralistisches Spießbürgertum stehen. Nur Flyer zum faschistischen Attentat durften nicht mehr Vervielfältigt werden. Alles andere war ok. Der sich selbst als „links“ bezeichnender Asta, der zur Förderung der Linken von den Studenten gewählt worden war übte brutal Zensur.
Dass der Asta Kassel mit seiner „Ali-Gruppe“ als tragendes Mitglied kein ernstzunehmender politischer Faktor ist, sollte allen klar sein, aber in was für eine Art Pogromstimmung sich dessen Mitglieder, von der „Linka-“ Gruppe angestiftet, hinreißen lassen würde, übertraf unsere wildesten Phantasien. Ein vom RCDS-bestimmter Asta hätte sicherlich mehr Stil an den Tag gelegt als diese Langzeitstudierenden.

Generell zeigten die Ereignisse um das faschistische Attentat, dass die Mitglieder des „Bündnisses gegen Rechts“ weniger an einer antifaschistischen Politik, sondern mehr an Selbstdarstellung und pseudoradikalen Gebären interessiert waren und sind. Produktiver wäre ihr Schweigen gewesen, aber ihre Sabotagearbeit und die Verharmlosung der Tat war einfach grauenhaft abstoßen und widerwärtig.

Von Friedhofsschändung und Nazitrauer
Aus diesem Grund verwundert es auch nicht, dass die Schändung des jüdischen Friedhofes am Wochenende des Hess-Gedenkmarsches (August 03) in Kassel-Bettenhausen von der Polizei von Beginn an nicht als politische Straftat gewertet wurden. Sie bagatellisierte den Vorfall als Kleinenjungenstreich und „ermittelten in alle Richtungen“. Doch die Ausmaße der umgestoßenen und abgebrochenen Grabsteine und der Zeitpunkt lassen auf einen angetrunkenen Mob Kasseler Neonazis schließen. Doch nach den erschreckenden Erfahrungen mit der Kasseler Öffentlichkeit im Allgemeinen und der Kassler Linken im Besonderen war klar, dass eine ernsthafte Diskussion um die Täterschaft nicht stattfand. Nur einige „Antideutsche“ der „Bazille-Gruppe“ gaben „durchgeknallten Palästinensern“ die Schuld. Angesichts der Fakten ein abscheulicher, ekelerregender Auswurf an geistigem Dünnschiss. Die Bullen fanden keine Täter – schon gar keine Nazis.
Die wenige Wochen später stattfindende Schändung eines jüdischen Friedhofes in Gudensberg im Kreis Kassel nahm dann auch keiner mehr wahr, wie dies beim skandalösem Besuch des Kasseler Oberbürgermeisters Georg Lewandowsky bei den Nazi-Organisation „Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft“ (Juni 03) der Fall gewesen war.

Die Folge: Es wurde nicht mehr über Nazis geredet. Denn in Kassel wurden sie von der Linken entweder verschwiegen oder verharmlost. Die AAK als Nestbeschmutzer verachtet. So war die Möglichkeit einer antifaschistischen Politik gegen Nazis in weite Ferne gerückt. Von einer Vermittlung einer radikalen Kapitalismuskritik an außenstehende Kasseler war nicht mehr zu denken. Dies hätte nur Sinn gehabt, wenn von bundesweiter Seite her Impulse gekommen wären. Doch die radikale Linke hatte sich ja verabschiedet. So blickten wir 2003/2004 ziemlich ratlos in Röhre. Unter den oben genannten Bedingungen, und der Schwächung unserer Gruppe durch personelle Verluste war eine Aufrechterhaltung der Arbeit der AAK nicht mehr zu machen.

Die Aufrechterhaltung unseres Namens und guten Rufes vor dem Hintergrund der Handlungsunfähigkeit bundesweit und in Kassel war hingegen vor uns und unseren früheren Erfolgen, schlicht, vor unserer Geschichte nicht zu verantworten.

Von Guten Wünschen
Also lösen wir uns mit sofortiger Wirkung auf. Wir wünschen allen Genossen ein schönes und erfolgreiches Leben in privater und politischer Hinsicht. Wir wünschen unseren Genossen in Verfahren und Knästen Mut und zollen ihnen unser letztes Mal Solidarität und Respekt. Wir hoffen inständig auf die Revitalisierung der radikalen Linken oder der Entstehung einer neuen, unkontrollierten Bewegung, die auf unsere Erfahrungen und Konzepte zurückgreifen kann. Denn eines ist klar. Radikale Kritik an den kapitalistischen Verhältnissen, der militante Kampf gegen Faschismus und seiner gesellschaftlichen Grundlage, dem Kapitalismus ist in den heutigen, neoliberal-imperialistischen Zeiten nötiger denn je.

Von Schönen Aussichten
Ob und wenn was der AAK folgen wird ist zur Zeit unklar. Vielleicht wird es von Zeit zu Zeit in besseren Tagen wieder Texte von uns geben. Vielleicht werden wir wenn es nötig und möglich sein sollte mit unserer Homepage einen Service leisten können. Vielleicht werden sich Teile unserer Gruppe zur Weiterentwicklung des radikal-militanten Widerstandes entschließen. Nur eines steht heute fest. Was nach uns kommt wissen wir nicht.

Also machts gut, Tschöö eure Autonome Antifa Kassel

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