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Auflösung der Antifa Pirna (AFA13)

Auflösungspapier der AFA 13 / August 2005

Jedes Ende kann manchmal ein neuer Anfang sein

Wir, die restlichen Gruppenmitglieder der Antifaschistischen Aktion 13 [AFA13], erklären hiermit die Auflösung der [AFA13] als politische Gruppe. Die Gründe, die zu diesem, teils auch aus unserer Sicht drastischen Schritt führen, sind vielfältig. Jedes Stück für sich stellt vielleicht von außen betrachtet noch keinen ausreichenden Grund dar, diese Gruppe aufzulösen. In der Summe scheint es uns jedoch in der derzeitigen Lage aussichts- und perspektivlos als Gruppenzusammenhang in der Sächsischen Schweiz linksradikale Politik weiterhin zu betreiben.
Die Gruppe Antifaschistischen Aktion 13 [AFA13] gründete sich Ende des Jahres 2000. Mit den damaligen Mitgliedern waren wir relativ agil und in der Lage Diskussionen innerhalb und außerhalb unserer Gruppe anzustoßen und zu führen. Die Außenwirkung unserer Gruppe war zum damaligen Zeitpunkt jedoch fast nicht da. Unsere Unternehmungen beschränkten sich auf das Herstellen eines Infoheftes „Resistance“, plakatieren und die Teilnahme an Demonstrationen. Die aktiven Leute aus der Gruppe waren alle früher oder später „geoutet“ und bekamen den Terror der Nazis und die Repression des Staates zu spüren. Beispiele sind vielfältig: Drohbriefe, Überfälle, Verfolgungsjagten, Brandanschläge auf Antifaschistinnen. Die Folge war, dass sich viele nicht mehr auf die Straße trauten oder weg zogen. Im Jahre 2002 war die Gruppe fast nur noch ein Einzelunternehmen. Neue Impulse konnten, aus verschiedenen Gründen, 2003 gesetzt werden. Die radikale Linke kam aus der Defensive und konnte eigene Akzente setzen. Nazis wurden in die Öffentlichkeit gezerrt. Wichtigste Ereignisse waren die zwei Demos 2004: „Kein schöner Land – linke Strukturen stärken!“ und „Schöner leben ohne Naziläden!“ zu denen mehr als 1500 Teilnehmerinnen kamen.

Trotzdem wir organisierte antifaschistische Strukturen für unbedingt notwendig halten, haben wir es versäumt, jüngere Antifaschistinnen an die Gruppe heranzuführen und zu integrieren. Das setzte, von uns Anfangs nicht wahrgenommen, Ausgrenzungsmechanismen in Gang, die jüngere Antifaschistinnen vermehrt frustete. Wir selbst, schafften es nicht mehr anfallende Termine und Tätigkeiten wahrzunehmen, was uns selbst frustete und eine antifaschistische Gruppenarbeit unmöglich machte. Dies vermögen wir derzeit von allein nicht mehr aufzulösen, sehen aber trotzdem, dass es für antifaschistische Politik in der Sächsischen Schweiz genug Betätigungsfelder und Aktionsformen gibt. Der „übriggebliebene“ Rest der Gruppe vermag dieses aber nicht mehr durchzuführen und wir wollen uns durch einen Fortbestand, sei es, der verbliebenen „Restgruppe“ nur „auf dem Papier“, einer eventuellen Neugründung auch nicht in den Weg stellen.

In wieweit sich in Pirna eine neue Antifagruppe bildet, können wir nicht mehr beeinflussen. Ob es eine erneute antifaschistische Wanderaktion geben muß, sozusagen Impulse von außen in die Sächsische Schweiz gegeben werden oder ob sich die Antifaschistinnen selbst organisieren können, wird sich zeigen. Wir jedenfalls befürworten jede weitere Gründung einer antifaschistischen Gruppe mit ihrem Recht auf eigene Politik und eigene Aktionsformen, eigene Erfolge und eigene Fehler. Dieses unter dem Label [AFA13] zu machen, halten wir aber aus Repressionsgründen für abwegig.

Wir haben in den fast fünf Jahren unseres Bestehens 3684,62 € für antifaschistische Politik umgesetzt und nicht ohne Freude können wir sagen: Es sind nur 192,39 € in der Sächsischen Schweiz ausgegeben wurden. Verklebt haben wir 2483 Plakate und veranstalteten einige Parties und Konzerte, mußten mehr als einmal die Woche Eierkuchen essen, um Farbeier befüllen zu können. Nach Angabe der Pirnaer Mittelstandsvereinigung soll allein durch die Demonstration im November 2004 in Pirna ein Schaden von 1,2 Mio € verursacht wurden sein. Wenn das kein Ansporn für eine sich neu gründende Gruppe ist! Unsere Webseite wurde, ohne google-visits, im Durchschnitt von mehr als 100 Besucherinnen täglich gelesen, der Rekord lag bei über 300 Besucherinnen. Herzliche Grüße gehen an das sächsische Innenministerium und den Pirnaer Staatsschutz als unsere eifrigsten und beständigsten Besucher. Hauptsache es hat euch gefallen und ein wenig Bildung war für euch auch mit dabei.

Die Internetseite http://afa13.antifa.net wird in Zukunft bestehen bleiben. Dafür gibt es gute Gründe. Die URL ist einerseits etabliert und wird mittlerweile überregional wahrgenommen, andererseits bedarf es in Nazihochburgen, wie der Sächsischen Schweiz, einer Möglichkeit, Informationen über die Naziszene zu veröffentlichen. Dabei handelt es sich dann aber nicht mehr um eine Homepage einer politischen Gruppe, sondern die Webseite wird zu einem Informationsportal, das von Einzelpersonen betrieben wird, umgestaltet werden. Denn auch in Zukunft wird es in der Sächsischen Schweiz Antifaschistinnen geben, die im braunen Dreck und der bürgerlichen Grauzone recherchieren um Nazis ins Licht der Öffentlichkeit zu zerren.

Wir rufen auch weiterhin dazu auf, sich Nazis in den Weg zu stellen, zu jeder Zeit, an jedem Ort, mit allen Mitteln!

the usual suspects“

Quelle

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