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Antifaprojekt in Delmenhorst löst sich auf

Antifaprojekt in Delmenhorst löst sich auf / 11.08.2008

Nach mehr als 2 Jahren antifaschistischer Arbeit in Delmenhorst ist heute der Tag gekommen die Auflösung der letzten Bastion kritischen Denkens in Delmenhorst bekanntzugeben. In einem letzten Text möchten wir, die [R]AID – Antifa Delmenhorst, die einzelnen Schritte analysieren und aufführen, die zu diesem letzten drastischen Schritt geführt haben. Desweiteren möchten wir einen Überblick über unsere Tätigkeiten geben – und erläutern, wieso nun auch das mittlerweile dritte Antifaprojekt in Delmenhorst scheitert.

Entwicklung
Über mehr als 2 Jahre stand die Antifa Delmenhorst (aka [R]AID) für den Versuch antifaschistische Politik in Delmenhorst zu etablieren und neofaschistische Bestrebungen jedweder Art zu bekämpfen. Nachdem sich die Gruppe 2006 als Reaktion auf den drohenden Kauf des Hotel am Stadtparks durch den aus Hamburg stammenden Rechtsanwalt Jürgen Rieger gegründet hatte, begannen sich schon zu diesem frühen Zeitpunkt unterschiedliche politische Ansätze herauszukristalisieren. Nicht zuletzt sollte hierbei der Konflikt zwischen sgnt. Antideutschen und Antiimperialistischen Positionen hervorgehoben werden, der linke Politik in Delmenhorst zusätzlich erschwerte.
Dennoch war es schon 2006 möglich mit 3 Demonstrationen in die Öffentlichkeit zu treten. Auf einer dieser Bündnisdemonstrationen beteiligten sich mehr als 300 Personen am Antifablock, um ihren Protest gegen den Hotelpoker von Günther Mergel kundzugeben. Doch als die Gefahr – und somit der drohende Hotelkauf durch eine Spendensammlung gebannt war, begann auch eine Entwicklung deren Resultat wir heute in Form der “Aktionsgruppe Delmenhorst” – sowie mehrerer anderer Nazigruppen in (-und um) Delmenhorst beobachten können.

So wurde durch die Notwendigkeit einer antifaschistischen Intervention, erst die Notwendigkeit einer bleibenden antifaschistischen Organisation geschaffen. Denn gerade der Hotelpoker 2006 schien eine Art Weckruf für die Delmenhorster Naziszene zu sein. Jedoch wurde durch den, schon kurz nach Gründung und ersten Auftritt, erstellten Anspruch über die klassische antifaschistische Arbeit hinauszugehen eine in die heutige Auflösung mündende Problematik erschlossen – so blieben die für diese Arbeit notwendige inhaltliche Diskussionen aus!

Es ist somit abschließend festzustellen, dass die Wurzeln, die letztendlich zum heutigen Tag führten, schon zu Beginn der Zusammenarbeit gelegt wurden. Dennoch können wir auf mehr als 2 Jahre erfolgreicher antifaschistischer Politik in Delmenhorst zurückblicken.

Tätigkeit
Die Aktivitäten kritischen Denkens in Delmenhorst reichten innerhalb der letzten 2 Jahre von zahlreichen Flugblattaktionen, Diskussionsveranstaltungen mit anderen antifaschistischen Gruppen (wie der Göttinger ALI), Infotischen, Konzerten, mehreren Demonstrationen (-sowie der umfangreichen Beteiligung an solchen), dem Kampf gegen Nazis, bis hin zu dem großen Wunsch über diesen hinauszutreten!

Dabei waren die Versuche dieses Ziel zu erreichen zahlreich. Obwohl mittels spontaner Kundgebungen, Flugblättern, Diskussionsrunden zum G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm einige Versuche gestartet wurden, blieben die hierfür notwendigen Diskussionen aus – ein Generalkonsens existierte folglich nicht. Als Beispiele für erfolgreiche Aktionen möchten wir Spontankundgebungen gegen Widerlichkeiten wie die “Coca Cola Christmastour 2007″, die 2006 abgehaltene Feier bezüglich der “Metropolregion Delmenhorst-Oldenburg-Bremen”, sowie nahezu selbstverständlich die zuletzt stattgefundene Spontandemonstration gegen Neofaschistische Aktivitäten in Delmenhorst.

Wenn wir heute, nach 2 Jahren antifaschistischer Intervention auf die Zeit gemeinsamer Politik zurückblicken, so ist es uns möglich ein positives Zeugnis zu erstellen – 2 Jahre existierte eine antifaschistische Struktur in Delmenhorst; diese organisierte Demonstrationen, bekämpfte Neofaschistisches Auftreten in jeder Form – und versuchte ein neues Klima in Delmenhorst zu etablieren. Die Schritte, die uns heute zur Auflösung dieses grundsätzlich mehr als positiven Zusammenschlusses gegen die Gesamtscheiße zwingen, möchten wir in kurzer Form aufführen.

Nazis
Heute existieren mehr als drei relevante Nazigruppen in Delmenhorst. Hierbei reicht das Spektrum von “Autonomen Nationalisten” (= ‘Aktionsgruppe Delmenhorst’), über NPD (die zu den Landtagswahlen im Januar eines der höchsten Ergebnisse aufweisen konnte – ohne relevanten Wahlkampf), zu JN und anderen Übeln, wie etwa Nazibands (insbesondere im dörflichen Umland). Auch wenn Presse und Polizei in skandalöser Weise weiter behaupten, in Delmenhorst gäbe es keine nennenswerte (-oder organisierte) Naziszene, so können wir diese als einen der Gründe für unsere heutige Trennung aufweisen! Nicht, weil es uns nicht möglich gewesen wäre, Strukturen wie “Anti-Antifa Delmenhorst” an ihrer Arbeit zu behindern und ihre Mitglieder in die Öffentlichkeit zu zerren, sondern vielmehr aufgrund der unterschiedlichen Ansichten bezüglich der Weise in der Nazis bekämpft gehören.

Wir möchten insbesondere darauf hinweisen, dass sich trotz der vielfachen Behauptung es gäbe keine Naziszene in Delmenhorst, heute eine der aktivsten Naziansammlungen in der Provinz tummelt – das oben aufgeführte Spektrum führt hierbei nahezu Wöchentlich Aktionen durch, auch wenn es meist gelang zu intervenieren und u.a. die führungskader der jeweiligen Organisationen in die Öffentlichkeit zu bringen, ist es für uns immer wieder ein Grund sprachlos zu sein, wenn regionale Zeitungen lieber eine Sonderseite zur “linken Gewalt” und “Autonomie” bringen, anstatt über gerade stattgefundene Aktivitäten seitens der Nazis zu berichten – diese reichten sogar bis zu mehreren Morddrohungen gegen AntifaschistInnen.

Somit sehen und sahen wir wieder und wieder die Problematik der schweigenden Presse und Polizei. Wer Naziaktivitäten verschweigt – herunterspielt, billigt und durch das veröffentlichen von Bilderstrecken antifaschistischer Demonstrationen sogar unterstützt – der ist nicht im geringsten Maße für eine Zusammenarbeit geeignet. Hierbei möchten wir speziell die Relativierung und Gleichsetzung hervorheben, die in Delmenhorst stellvertretend für gesamtdeutschland in höchstem Maße betrieben wird. In den wenigsten Artikeln lokaler Zeitungen, Pressemitteilungen der Polizei – oder Stellungnahmen der Lokalpolitiker wird nicht wieder und wieder der Vorwurf aufgeworfen “die linken” würden eine ähnliche Politik wie “die rechten” betreiben – verboten sollten aber beide sein!

Presse & lokale Peripherie
Gerade in der Provinz, wie auch in Delmenhorst, sehen sich AntifaschistInnen an den Rand gedrängt. Wir erlebten in zahlreichen Berichterstattungen nicht nur das herunterspielen von Naziaktivitäten, sondern sogar eine stille Billigung (s.o.).
Wir möchten hierbei auf keine bestimmten Texte eingehen, dennoch sehen wir die Notwendigkeit aufzuführen, dass u.a. Delmenhorster Zeitungen Fotostrecken von Antifaschistischen Demonstrationen veröffentlichten – die später auf mehreren überregional bekannten Naziwebsites zu finden waren! Somit beteiligten sich diese nicht nur Inhaltlich an Anti-Antifaarbeit, sondern sogar strukturell, indem sie zumindest indirekt Fotos stellten und die Veröffentlichung meist Widerstandslos hinnahmen.

Auch war die Gleichsetzung von antifaschistischer Arbeit mit der des faschistischen Mobs gerne genutztes Mittel. Während Polizisten auf dem Marktplatz sitzenden Punks Arme brachen, Piercings herausrissen, berichtete die “Delmenhorster Zeitung” in Springer-Manier von der Gefahr der Delmenhorster Autonomen. Doch nicht nur wenig etablierte Blätter, wie “Deldorado” oder “Delmenhorster Zeitung” beteiligten sich in dieser Weise an der Ausgrenzung antifaschistischen Protests. In einem eigens über eine in Ganderkesee stattgefundene Demonstration formulierten Artikel wurde sämtlichen AntifaschistInnen bisweilen der Status des “normalseins” abgesprochen – denn normale Jugendliche gehen nicht zu Demonstrationen.

Polizei & Repression
Eine besondere Rolle in der Delmenhorster Krise nimmt die Polizei ein. Innerhalb der letzten Jahre, führte diese (-meist ungeachtet von BürgerInnen und Presse) einen Kampf gegen antifaschistische und alternative Kultur in Delmenhorst. Hierbei kam es neben Anquatschversuchen des Staatsschutzes teilweise zu brutalen Übergriffen auf alternative Jugendliche, wie etwa auf die Punks am Delmenhorster Marktplatz. So brachen Delmenhoster Polizisten einem der jugendlichen den Arm, rissen einem anderen Piercings aus der Nase, nutzten Gewalt im Verhör oder versuchten in schlichter Manier des Dorfpolizisten am Bahnhof Delmenhorst an- und abreisende AntifaschistInnen am Tag von Demonstationen zu identifizieren.

Auch hierbei können wir einen der Hauptgründe für die heutige Auflösung feststellen. Wir möchten hervorheben, dass es mehrfach zu Verfahren gegen AntifaschistInnen kam. Die zunnehmende Repression hatte bis Ende 2007 große Teile der Gruppe erfasst – wir sehen uns somit heute gezwungen die politische Arbeit zu beenden – oder sie in einer anderen Form der zu finden.

Wir, als AntifaschistInnen in Delmenhorst werden gerade nach der Offenlegung der Namen einiger Personen die politische Arbeit beenden. Die Schritte, die hierzu führten, sind obenstehend lesbar!

Kein Friede mit Deutschland und seinen Nazis! Wir können heute, nach mehr als 2 Jahren politischer Zusammenarbeit ein positives Fazit für den von uns geleisteten Beitrag im Antifaschistischen Kampf ziehen.

Der letzte macht das Licht aus!

Antifa [R]AID Delmenhorst- 2008

Quelle

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