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Nicht jammern, Antifa aufbauen!

Diskussionsbeitrag von North East Antifa (NEA), Berlin / 24.02.2015

Es wird wieder diskutiert in der radikalen Linken – immerhin. An der Gretchenfrage nach der Aktualität und Sinnhaftigkeit des Konzepts Antifa als Organisationsform scheiden sich die Geister, als Reaktion lösen sich Gruppen auf, treten neue amorphe Gebilde zutage.

Es ist zu hören, die Krise habe die antifaschistische Bewegung getroffen, eine Krise ihrer eigenen Unzulänglichkeit, des Scheiterns an den eigenen Ansprüchen und der gesellschaftspolitischen Realität. Antifaschismus als Organisation sei nicht länger zeitgemäß für die radikale Linke. Andere verweisen dagegen auf die Notwendigkeit und Aktualität explizit antifaschistischen Engagements in Zeiten von AfD, PEGIDA und eines Europa heimsuchenden Rechtsrucks.

War die historische Antifaschistische Aktion, neben ihren Kampf gegen das Erstarken faschistischer Kräfte, nicht zuletzt auch »die Organisierung des Massenkampfes für die Verteidigung der Lebensinteressen der Werktätigen«, so muss sie auch heute mehr zu bieten haben, als Demos und Soli-Partys zur eigenen Bespaßung. Denn ohne eine fundierte antikapitalistische Gesellschaftskritik, verkommt Antifaschismus zur bloßen »Feuerwehrpolitik« ohne gesellschaftlichen Mehrwert – wie die Genoss*innen von Siempre Antifa FFM im Januar 2015 in ihrer großartigen Verteidigungsschrift der Antifaschistischen Aktion mit dem Titel »Antifa bleibt notwendig!« richtig angemahnt haben.

Ein Problem der gesamten radikalen Linken und somit eines ihrer Krisenphänomene ist dabei, dass »Antifaschismus« zu einem lifestyle verkommen ist, der sich bequem in den kapitalistischen Alltag integrieren lässt und diesen somit nicht zuletzt auch aus Sicht libertärer Aktivist*innen normalisiert. Denn wahr ist: »Antifa« lebt zu Teilen von der Vermarktung eines »radikalen« Lebensgefühls durch Merchandise und besitzt ein funktionierendes infrastrukturelles und mediales Netz, welches es Aktivist*innen ermöglicht, große Teile ihres Lebens in einer Art »Parallelgesellschaft« zu verbringen – weitab vom regressiven Mainstream und dem repressiven Staat. Wenn wir von falschem Bewusstsein sprechen, dann meinen wir nicht zuletzt auch den Habitus vieler Linksradikaler aus der antifaschistischen Subkultur, sich als politische Avantgarde zu verstehen. Doch die Vorstellung einer »Avantgarde« ohne gesellschaftliche Basis ist ein allzu lächerliches Gebilde.

Paradox: Wir kaufen Rojava-Solishirts aber wollen von Basis-Organisierung nichts wissen? Der Aufbau basisdemokratischer Strukturen auf lokaler und Vernetzungsebene sollten jedoch mehr sein, als der in andere Weltgegenden projizierter romantischer Traum der hiesigen radikalen Linken!

Ein Grund, warum wir den Rückzug großer Teile der antifaschistischen Szene in überregionale Großstrukturen à la IL skeptisch betrachten, ist, dass dieser nicht nur wirkt wie ein Versuch, die eigene strukturelle Schwäche durch personelle Größe und einen noch weitergehenden Rückzug in die eigene Parallelwelt zu kaschieren. Wie Siempre Antifa FFM richtig feststellten, ist der »Aufbau stärkerer und sich intensiver koordinierender Strukturen, die kontinuierlich am Ausbau der eigenen Basis arbeiten, (…) nur ausgehend von den Gegebenheiten vor Ort möglich. Organisationen ohne lokale materielle Verankerung hingegen bleiben ein Papiertiger. Wo sie angesichts drängender Herausforderungen schweigen, spielen sie sich mit dem Management von Großevents die Illusion eigener Stärke vor«. Fest steht: Widerstand, das Zeigen der eigenen Präsenz auf der Straße ist eine politische Notwendigkeit. In Zeiten von PEGIDA, AfD & Co muss der konkrete antirassistische und antifaschistische Widerstand intensiviert werden.

Viele von uns haben der Antifaschistischen Aktion vieles zu verdanken. Sie kann nur durch uns, unser Engagement und unsere Inhalte weiterleben. Der Begriff »Antifaschistische Aktion« bedeutete immer eine Kampfansage an ein ausbeuterisches, menschenfeindliches System und dessen Profiteure.

Quelle

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