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Gründungserklärung Antifaschistischer Aufbau München

Gründungserklärung Antifaschistischer Aufbau München / 31.05.2016

Selbstverständnis & Gründungserklärung
Gründung

Hiermit erklären wir unsere Gründung als Antifaschistischer Aufbau München. Wir sind eine strömungsübergreifende Gruppe von Antifaschist_innen aus München, die einen Strategiewechsel der radikalen Linken für notwendig halten.

Kämpfen heißt Leben!

Wir leben in einer Gesellschaft, die generationsübergreifend ökonomische Ausbeutung, Rassismus, Sexismus, Homophobie, Krieg und Faschismus hervorbringt und unterstützt. Wir haben uns das nicht ausgesucht. Wir konnten uns nicht entscheiden, wie die Gesellschaft aussehen soll, in die wir hineingeboren wurden. Was wir uns jedoch aussuchen können, ist diese Gesellschaft nicht als alternativlos zu betrachten und für ihre Überwindung zu kämpfen. Wir kämpfen für eine solidarische, klassenlose Gesellschaft, in der Herkunft und Geschlecht keine Rolle spielen. Wo wir Widersprüche sehen, bennenen wir diese. Erkämpfte Positionen und Errungenschaften verteidigen wir. Die Mittel lassen wir uns dabei nicht diktieren, denn alle Mittel des fortschrittlichen Widerstands gegen Ausbeutung und Unterdrückung sind gerechtfertigt.

Warum Antifaschistischer Aufbau?

Die Rechte macht mobil. Jeden Montag läuft der rassistische Mob durch die Straßen, jede Woche brennen Flüchtlingsunterkünfte. Die Brandstifter_innen sehen sich als Willensvollstrecker „des Volkes“ – angeheizt von Politiker_innen und ihren täglich neuen Reden über die „Flüchtlinkskrise“. Dabei bilden Parteien wie die AfD nur die Spitze des rassistischen Eisbergs aus Politiker_innen, die den Brandstifter_innen mit ihren Aussagen und ihrer Politik das Gefühl vermitteln, für „berechtigte Sorgen“ zu zündeln. Auch etablierte Parteien versuchen immer wieder durch rassistische Argumention und Gesetzgebung Wähler_innenstimmen vom rechten Rand abzugreifen. Mit jedem Tag wird die Notwendigkeit antifaschistischer Organisierung offensichtlicher. Wir müssen dem Rechtsruck entgegentreten. Dafür brauchen wir Organisierung und Kontinuität.

Hierzu wollen wir einen Beitrag leisten:

Antifaschismus in die Offensive bringen, Perspektiven aufzeigen, agitieren, uns selbst bilden, Nazistrukturen angreifen, eigene Strukturen aufbauen – viel zu tun.

Kurze Faschismus- und Gesellschaftsanalyse

Der Faschismus stellt historisch eine massive Steigerung kapitalistischer Phänomene wie Ausbeutung, Leistungszwang und Unterdrückung dar. Er bedeutet die totale Unterordnung des Einzelnen unter den faschistischen Staat und Profitinteressen – häufig begleitet von einer extrem aggressiven und expansive Außenpolitik, die beispielsweise mittels Krieg weiteren Verwertungsraum für das Kapital schaffen soll. Der Faschismus stellt also einen Krisenausweg für das Kapital dar.

Antifaschistischer Kampf bedeutet für uns also einerseits einen weiteren Rückfall hinter heutige „demokratische“ Standards zu verhindern. Andererseits bedeutet er aber auch den Kampf gegen das kapitalistischen System selbst, denn in ihm liegen die Wurzeln des Faschismus.

Der Kapitalismus befindet sich in einer Krise welche unweigerlich zu einer Intensivierung der Ausbeutung der arbeitenden Klasse fürt. Leicht ersichtlich ist dies in Südeuropäischen „Krisenstaaten“ wie Griechenland. Doch auch in der BRD erleben wir einen Ausbau des Niedriglohnsektor , Rentenkürzungen und ein Vorantreiben der Militarisierung nach Innen und Außen. Kein Wunder, dass es massiven gesellschaftlichen Unmut gibt – profitieren tut davon derzeit jedoch hauptsächlich die Rechte, indem Geflüchtete als vermeindliche Schuldige für gesellschaftliche Ungerechtigkeit ausgemacht werden, anstatt die Ursachen für eben diese Ungerechtigkeit im Kapitalismus selbst zu suchen.

Während also der Klassenkampf von unten, der Kampf um die Beendigung der Klassenherrschaft, weiter am Boden liegt werden Ausbeutung und Unterdrückung immer alltäglicher – der Klassenkampf von oben befindet sich in einer Offensive.

Antifaschismus

Es braucht also eine Antifa. Eine Antifa die nicht nur widerspricht sondern offensiv auf die Straße geht und rechte Strukturen direkt angreift. Faschist_innen ziehen ihre Stärke daraus, dass sie sich als Vertreter „des Volkes“ sehen und versuchen das durchzusetzen wozu der Staat nicht bereit oder im Stande ist.

Die antifaschistische Bewegung hat auf den Rechtsruck, lokale Ausnahmen ausgenommen, viel zu langsam reagiert. Während die Antifabewegung diskutiert hat, wie zeitgemäß „Antifa“ eigentlich noch ist oder ob man den Bereich nicht zugunsten von „sozialen Kämpfen“ aufgeben müsste, hat sich die Rechte formiert.

Natürlich ist der Fehler hier nicht die klassenkämpferische Arbeit an sich – im Gegenteil sind für uns Antifaschismus und Klassenkampf untrennbar verbunden. Jedoch ist es falsch, beides gegeneinander zu diskutieren. Es reicht nicht kampagnenartig, ab und an etwas gegen besonders große Naziaufmärsche zu unternehmen. Wir brauchen antifaschistische Strukturen die den Rechten kontinuierlich, informiert und lokal entgegentreten.

Und doch ist Antifa nicht alles

Auch wäre es falsch sich nur auf die Nazistrukturen zu fokussieren, ohne die gesellschaftlichen Bedingungen zu sehen, die den Rahmen für rechtes Gedankengut erst darstellen. Wir befinden uns in einer anhaltenden Krise des Kapitalismus. Viele Menschen sind alltäglich vom Abstieg bedroht. Individualisierung und Vereinzelung sind Alltag. Dies schafft immer wieder eine Basis für rassistische Ressentiments.

Rassismus spaltet. Er spaltet vor allem die Verlierer_innen dieses Systems. Statt gegen die Herrschenden und das herrschende System zu kämpfen, treten viele lieber nach unten und kämpfen mit den anderen Verlierer_innen dieses Systems um die Brotkrumen, die vom Tisch der Kapitalist_innen fallen.

Frauen finden sich seit Jahrtausenden in einem sexistischen Unterdrückungsmuster wieder, welches tief in der Gesellschaft verankert ist. Die Unterdrückung der Frau und der Kapitalismus können nur zusammen bekämpft und überwunden werden. Nur so können wir eine befreite Gesellschaft erreichen.

In diesen Zeiten organisieren wir uns also. Einiges Positives, viel Negatives. Wir wollen kämpfen und wir wollen gewinnen. Alles andere können wir uns nicht leisten. Wie also gewinnen? Ein Baustein in einer revolutionären Strategie ist gut organisierter Antifaschismus.

Unsere strategischen Eckpfeiler

Wir müssen raus aus der Subkultur und Abgrenzungsbedürfnisse hinter uns lassen. So besorgniserregend diese neue Qualität rechter Mobilisierung ist, so deutlich zeigt sie breiten Teilen der Bevölkerung, dass konsequenter Widerstand notwendig ist. Diese Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen. Deshalb müssen wir als Bewegung ansprechbar werden und neue Leute integrieren. Wir müssen uns bilden, nicht als Selbstzweck, sondern um in unübersichtlichen Zeiten den Überblick zu behalten. Nur mit einer Kombination aus Theorie und Praxis können wir die Rückschläge von heute in die Siege von morgen verwandeln. Wir müssen Bündnisse eingehen, ohne dabei unsere Inhalte aufs Spiel zu setzen. So wichtig es ist, möglichst viele Menschen gegen Rechts auf die Straße zu bringen, so wichtig ist es auch, Unterschiede zu benennen. In breiten Bündnissen legen wir Wert darauf, dass unsere Positionen immer eigenständig Wirkung entfalten und nicht zu Gunsten eines Minimalkonsenses untergehen. Eine gemeinsame Front wird niemals mit denen zu Stande kommen, für die Antifaschismus ein Mittel ist, dem Kapitalismus ein humanistisches Anlitz zu verpassen. Diejenigen die Ausbeutung und Krieg mit antifaschistischer Rhetorik rechtfertigen, sind nicht Teil der Lösung sondern Teil des Problems.

Ausblick

Wir wollen Teil einer antifaschistischen Bewegung sein, die kontinuierlich und organisert den oben genannten Ansprüchen gerecht wird. In unserem Organisierungsprozess wollen wir uns so gut es geht mit lokalen, regionalen und bundesweiten Strukturen vernetzen. Nur gemeinsam können wir uns so aufstellen, dass wir in der Lage sind, faschistische und rassistische Strukturen zu zerschlagen. Gleichzeitig wollen wir dazu beitragen verschiedenste progressive Kämpfe zusammenzuführen.

Unser letztendliches Ziel ist klar: die Revolution!

Wir wollen alle Verhältnisse umwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist [Karl Marx].

Dafür müssen die gesellschaftlichen Mittel der Produktion endlich in die Hände einer sich freiwillig organisierenden und arbeitenden Gesellschaft übergehen und die Menschen so die Möglichkeit erhalten, ihre Geschichte selbst zu bestimmen.

Den Ist-Zustand verändern, eigene Strukturen aufbauen!

Befreien wir uns aus der Individualisierung und stellen wir uns organisiert dagegen:

antifaschistisch, antikapitalistisch, antisexistisch, revolutionär.

Quelle

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