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Antifa heißt Gegenmacht und Klassenkampf

Diskussionsbeitrag von [radikale linke | berlin] in nd / 23.06.2016

Es gilt die Dichotomie zwischen »entweder friedlich oder militant« zu überwinden. Unterschiedliche Widerstandsformen sind dann wirksam, wenn sie kombiniert werden und sich positiv aufeinander beziehen. Mit diesem Beitrag beteiligt sich eine Berliner Gruppe an unserer Debatte.

Wenn jeden Tag Häuser und Heime brennen, rechte Hegemonie entsteht, kann es nach wie vor nicht um die Frage gehen »ob« Antifa notwendig ist, sondern nur um das »wie«. Antifaschismus bedeutet die Verbindungen und Effekte von Kapitalismus, Rassismus, Faschismus, Patriarchat und Staat zu beschreiben und viel wichtiger: Alternativen zu formulieren. Leider sind in den letzten Jahren einige zentrale Themenfelder linksradikaler Kritik etwas in Vergessenheit geraten. Eine wesentliche Debatte, die es unserer Meinung nach dringender denn je wieder zu führen gilt, ist die Aktualität des Begriffs der Klasse. Denn die starken Klassengegensätze und -interessen werden aktuell besonders deutlich. Also wehret den Anfängen!

Soziale (Abstiegs-)Ängste, Isolation und Konkurrenzdruck sind aktuell auf der ganzen Welt sehr präsent. Linksradikale Perspektiven, konkrete Antworten auf konkrete Fragen, verstummen jedoch zunehmend. Stattdessen werden sie nun von rechts beantwortet. Die Geschichte hat gezeigt, dass aus einer bestimmten Klassenzugehörigkeit definitiv noch kein progressives Klassenbewusstsein erwächst. Das sollten wir nicht hinnehmen, sondern offensiv unsere Idee einer Welt ohne Konkurrenz, Individualisierung und Abstiegsangst zu den Menschen tragen, deren Bedürfnisse in der kapitalistischen Welt nicht von Belang sind.

Die derzeitige Verfassung der Antifabewegung macht es uns sicherlich nicht einfacher. Verlieren wir uns nicht weiter in unsinnigen Diskussionen, die uns spalten, sondern, zeigen uns solidarisch mit denen, welche die gleichen Ziele verfolgen. Wir brauchen einen größeren Bezug auf die lokalen und globalen Bewegungen statt individualisierter Politikkonzepte.

Unser Antifaschismus unterscheidet sich seit jeher vom bürgerlichen Antifaschismus durch zentrale Punkte: revolutionäre und antinationale (Klassen-)Politik, ein antagonistisches Verhältnis zum bürgerlichen Staat, Legitimation extra-legaler Aktionen des antifaschistischen Selbstschutzes und unserer revolutionären Politik. Antifaschismus kann sich niemals positiv auf eine Nation oder andere identitätsstiftende Phrasen beziehen, auch wenn der Aufstand der Anständigen das suggerieren wollte.

Für uns muss Antifa also immer der Kampf ums Ganze sein. Der Kampf für eine bessere Welt abseits von Herrschaft und Unterdrückung, starren Identitätskonstruktionen, Ausbeutung, Kapitalismus und Imperialismus. Ganz konkret: Wir wollen Bedingungen schaffen, die den Faschismus als vermeintliche Alternative überflüssig machen.

Antifa und Gegenmacht
»Unter Gegenmacht verstehen wir eine Formierung gesellschaftlicher Kräfte, die in der Lage sind den herrschenden Verhältnissen entgegenzuwirken«, soweit unsere Position. Gegenmacht kann dort entstehen, wo wir als radikale Linke in der Lage sind, uns in Kiezinitiativen, Betrieben, gesellschaftlichen und kulturellen Milieus zu verankern. Gegenmacht entsteht dort, wo wir uns in Kämpfe um das »Recht auf Stadt« einmischen, Zwangsräumungen verhindern, soziale Zentren aufbauen, Häuser besetzen. Dort wo wir Antifa als attraktive Jugendkultur etablieren. Wenn wir unsere Kraft dort einbringen, wo der Bruch mit dem Bestehenden forciert wird. Dort wo Vernetzung, Debatte, Theorie zusammenkommen und konkrete, revolutionäre, politische Praxis das Resultat ist. Wo wir es schaffen Diskurse zu verändern und andere zu etablieren, Menschen Erklärungen anbieten, die für sie Sinn ergeben und sie ermächtigt werden selbst neue zu entwickeln. Wo wir es schaffen, dass Menschen sich an unseren Aktionen beteiligen (wollen), unsere Aktionsformen adaptieren oder uns neue zeigen mit denen wir gemeinsam kämpfen können. Wollen wir reale Gegenmacht schaffen, gilt es die Dichotomie zwischen »entweder friedlich oder militant« zu überwinden und deutlich zu machen, dass viele Widerstandsformen wirksam sind, wenn sie kombiniert werden und sich positiv aufeinander beziehen.

Es ist richtig und wichtig uns unserer eigenen Stärken und Fähigkeiten regelmäßig zu vergewissern. Allerdings darf Antifaschismus heute keine Avantgarde spielen, sondern muss mit den »besseren bzw. richtigen« Argumenten arbeiten. Das ist mühsame Arbeit und führt uns vielleicht auch vor Augen, dass nicht alle unsere Ideen mit den Lebensrealitäten von anderen Menschen vereinbar sind. Einen anderen Weg eröffnen uns die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse aber gerade nicht.

Unsere Strategien und unsere Praxis müssen dynamisch sein, die Wahl der Mittel darf kein Dogma werden. Ob es beispielsweise sinnvoller ist eine kämpferische Demo mit schwarzem Block oder ein zivilgesellschaftliches Bündnis aufzubauen, muss strategisch und situativ entschieden werden. Widerstand besteht heute darin zu einer Situation die geeigneten Mittel zu wählen. Die Wirksamkeit können wir an den konkreten Effekten messen. Lasst uns nicht resignieren, nicht von unseren Wünschen und Träumen Abstand nehmen.

Lasst uns selbstbewusst in diese Welt gehen. Wir haben nicht die perfekten Antworten, aber »fragend schreiten wir voran.«

Ein ausführliches Positionspapier der radikalen linken berlin befindet sich auf deren Internetseite: radikale-linke.net/positionspapier-antifaschismus

Quelle

 

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